Tierärztin Dr. Heide Loosen-Dürk, Bingen-Dromersheim


Reptilien und Amphibien
Die Kriechtiere, oder auch Reptilien genannt (lat. reptilis-kriechend), bilden eine Klasse der Wirbeltiere, genau wie die Amphibien oder Lurche (Amphibia), deren wissenschaftlicher Name aus dem Griechischen stammt. [Amphi] bedeuted „auf beiden Seiten“ und [bios] „doppellebig“, was darauf zurückzuführen ist, dass die meisten Amphibien zunächst im Wasser und nach einer Metamorphose an Land leben können.
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Artenvielfalt
Die heute noch lebenden (rezenten) Reptilien teilt man vier Ordnungen ein
- Schuppenkriechtiere (Squamata) mit insg. ca. 8000 Arten
- Schildkröten (Testudines) mit insg. ca. 300 Arten (450 Unterarten)
- Panzerechsen (Crocodylia) mit insg. ca. 23 Arten
- Brückenechsen (Sphenodontidae) mit 2 Arten
Die rezenten Amphibien teilt man in drei Ordnungen ein
- Froschlurche (Caudata) mit insg. ca. 5600 Arten
- Schwanzlurche (Anura) mit insg. ca. 570 Arten
- Schleichenlurche (Gymnophiona) oder auch Blindwühlen (Apoda) mit insg. ca. 175 Arten
Im Vergleich zur Klasse der Säugetiere mit ca. 5500 Arten erscheinen die Reptilien mit ca. 8325 Arten und Amphibien mit ca. 6350 Arten noch vielfältiger und exotischer. Diese Zahlen werden ständig aktualisiert, da besonders in den tropischen Gebieten und vor allem im Regenwald fast täglich neue Arten entdeckt und beschrieben werden.
Herpetologie
Die wissenschaftliche Arbeit mit Reptilien und Amphibien fällt in das Gebiet der Herpetologie. Die Pflege und Zucht dieser Tiere, die sich auch in Privathänden immer mehr etabliert und meist in Terrarien erfolgt, nennt man Terraristik oder Terrarienkunde.
Was wir für Sie tun können
Ist ihr „exotischer Liebling“ bereits ausgesucht und erworben, so bieten wir Ihnen Haltungsberatung oder Vorsorgeuntersuchungen (z.B. vor dem Winterschlaf) an.
Geht es Ihrem Tier schlecht so haben wir die Möglichkeit mittels umfangreicher Diagnostik (Laboruntersuchungen, Röntgen, Blutuntersuchungen, Ultraschall) der Ursache auf den Grund zu gehen, um dann mit der entsprechenden Therapie (konservative und chirurgische Maßnahmen) helfen zu können.
Haltungsberatung
Die Haltung von Reptilien und Amphibien ist entsprechend ihrer großen Artenvielfalt relativ schwierig. Sie sind wechselwarme Tiere, wodurch ihr allgemeines Befinden und ihre Vitalfunktionen in hohem Maße von den Umweltfaktoren bestimmt werden. Auch sogenannte „Anfängertiere“ erkranken, falls man die Haltungsbedingungen nicht entsprechend ihres biologischen Herkunftshabitats gestaltet.
Labor (Kot- und Blutuntersuchungen, Probenentnahmen)
Die Kotuntersuchung ist die Basisuntersuchung aller labordiagnostischen Maßnahmen in der Reptilienmedizin. Sie ist schnell durchgeführt, relativ kostengünstig und in vielen Fällen sehr hilfreich bei der Diagnostik, und folglich Therapie, von Erkrankungen. Kotproben sollten so frisch wie möglich sein und in entsprechenden Gefäßen transportiert werden. Setzt das Tier nach langer Futterverweigerung keinen Kot ab, so besteht die Möglichkeit eine Kloakenspülung durchzuführen, um im Darmtrakt befindliche Parasiten zu erkennen.
Die Blutuntersuchung ist ebenfalls ein sehr wichtiges Diagnostikum in der Reptilienmedizin, da nicht selten durch falsche Ernährung oder fehlerhaften Winterschlaf organische Probleme auftreten, die sich in den Blutwerten der Tiere widerspiegeln. Desweiteren können Tupferprobenentnahmen, Biopsie-probenentnahmen und andere Maßnahmen nötig sein, um die Ursache einer Erkrankung zu ergründen.
• Bildgebende Verfahren
- Röntgen
Die Indikationen für ein Röntgenbild entsprechen im Großen und Ganzen den Indikationen der Kleintiermedizin. Da die Palpation des Abdomens (der Bauchhöhlenorgane) sich allerdings häufig schwieriger gestaltet als bei Klein- und Heimtieren, ist der Röntgenuntersuchung eher noch größeren Stellenwert zu zuordnen.
- Ultraschall
Auch der Ultraschall wird häufig entsprechend der Kleintiermedizin eingesetzt. Hier lassen sich die Weichteile (z. B. inneren Organe) gut darstellen. Sowohl die Reptilienhaut, als auch die Größe und Körperbeschaffenheit der Tiere (z. B. bei Schildkröten) verlangen allerdings eine Anpassung der Untersuchungstechnik.
- OP
Wie auch bei Hund und Katze sind nicht alle Erkrankungen oder Verletzungen konservativ zu behandeln. In diesen Fällen müssen auch Reptilien und Amphibien unter einer entsprechenden Anästhesie chirurgisch versorgt werden.
Information
Eine gute Anlaufstelle für Information jeglicher Art in Bezug auf Reptilien- oder Amphibienhaltung ist die DGHT. Dort gibt es viele Arbeitsgruppen, die sich mit den speziellen Tierarten, aber auch mit Terrarientechnik und allem was rund um die Haltung dieser Tiere wichtig ist, beschäftigen.
DGHT-Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde
Artgerechte Haltung!
Die Haltung dieser Tiere hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen und immer mehr Menschen unterliegen der einzigartigen Anziehungskraft dieser Exoten. Allerdings sind die Bedingungen unter denen die Tiere artgerecht leben können oft sehr speziell und man sollte sich schon im Voraus genau darüber informieren. Hier stehen wir Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite.
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