Meerschweinchenhaltung

  
(Wir danken Frau Ulrike Nowe für ihre freundliche Unterstützung)
Meerschweinchen sind Sippentiere. In Einzelhaltung verkümmern ihre sozialen Fähigkeiten, sie sind einsam und unterfordert.
 
Kaninchen sind jedoch keine adäquaten Partner. Auch die Haltung von mehreren Kaninchen und Meerschweinchen ist umstritten. Viele Kaninchen "sehen" Meerschweinchen gar nicht, sie nehmen sie nicht für voll. Beim Rumtoben laufen sie oft achtlos über die Meerschweinchen, was schlimmstenfalls zu Verletzungen führen kann.
Meerschweinchen hingegen liegen schon mal auf den Kaninchen, allenfalls scheinen sie sie als Kuscheldecke wahrzunehmen.
Meerschweinchen haben ein stark ausgeprägtes Kommunikationssystem, sei es durch Lautsprache und/oder Körpersprache. Sie bleiben permanent in Kontakt mit ihren Artgenossen.
Meerschweinchen fühlen sich am wohlsten in stabilen Gruppenverbänden von mindestens drei Tieren. Idealerweise besteht eine Kleingruppe aus einem kastrierten Bock und zwei Weibchen. Ab fünf Tieren fängt der Spaß aber erst richtig an.
Meerschweinchen lassen sich recht einfach vergesellschaften. Die Gruppen sollten jedoch weitestgehend stabil gehalten werden, denn jedes neu dazugesetzte Tier zwingt alle dazu die Rangordnung neu zu klären und das bedeutet Stress für die Schweinchen.
Meerschweinchen brauchen Platz. Sie sind sehr aktive und bewegungsfreudige Tiere, die gerne auch mal einen Spurt hinlegen.
Handelsübliche Käfige erfüllen dieses Bedürnis nicht.Auch ein täglicher Auslauf hilft den Schweinchen wenig, denn sie haben ihren eigenen Rhythmus und wollen nicht nur dann laufen, wenn der Mensch gerade mal Zeit hat.
Ein Gehege kann ohne großen Aufwand selbst gebaut werden. Das hat auch den Vorteil, dass die Tiere nicht hinter Gittern leben müssen. 
Das Gehege sollte mindestens ca. 80cm tief sein und etwa eine Länge von 1,50m haben.
Man rechnet pro Tier etwa 0,5 m², wobei das tatsächlich nur als grober Richtwert zu werten ist.
   
Auf der Internetseite: www.lispet.de finden sich viele Anregungen für Gehegebauten, die sich auch "stilvoll" in einen Wohnraum einfügen können.

Einige grundsätzliche Dinge gilt es jedoch zu beachten:

  1. Zwar sollte das Gehege abwechslungsreich sein und genügend schnell erreichbare Unterschlüpfe bieten, aber für die Schweinchen nicht zum Hindernislauf werden.
  2. Meerschweinchen wollen rennen und nicht klettern, ein Gehege, das nur in die Höhe gebaut wird und keine ausreichende Grundfläche auf einer Ebene bietet, mag schön anzusehen sein, ist aber für ein Schweinchen nicht besonders attraktiv.
  3. Beim Kauf von handelsüblichen Häuschen muss man darauf achten, dass sie mindestens zwei große, weit auseinanderliegende Eingänge haben und auf keinen Fall kleine, runde Fenster. Da Häuschen oft Streitobjekte sind (denn wo ein anderes Schweinchen liegt, will man auch hin, es könnte ja der bessere Schlafplatz sein), darf kein Tier in Bedrängnis geraten und keinen zweiten Fluchtweg finden oder womöglich das kleine runde Fensterloch als Ausweichmöglichkeit sehen. Es wäre nicht das erste Mal, dass in diesen kleinen Fenstern ein Schweinchen steckengeblieben ist und im schlimmsten Fall dies mit dem Leben bezahlen musste. Besser als alle Häuschen sind Unterschlüpfe wie z.B. ein Brett auf vier Beinen (ca. 15-20cm hoch). Das ist zudem auch noch deutlich billiger.
  4. Heuraufen sind nur dann gut, wenn a) das Schweinchen nicht hineinspringen kann und b) das Heu nicht über dem Kopf des Schweinchens hängt. Einfacher und für die Tiere viel spaßiger ist es, einen Heuhaufen einfach in eine Ecke zu legen.
  5. Rampen im Gehege sollen nicht steiler sein als 45° und einen Sichtschutz an den Seiten haben. Tatsächlich gibt es Schweinchen mit Höhenangst, die sonst die Rampe nicht nutzen würden. Ideal wird eine Rampe mit rutschfestem Material (z.B. Teppichauslegware, unbedingt ohne Schlaufen!) belegt. Leisten als "Treppenersatz" sind nicht zu empfehlen.
  6. Flache Steine auf dem Boden machen Spaß beim Laufen und nutzen die Krallen ab.

Generell gilt, je größer das Gehege, desto wohler fühlen sich die Tiere.

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© 2008 Tierärztin Dr. Heide Loosen-Dürk - Alle Rechte vorbehalten